Neulich kaufte ich mir eine Electribe 2, tolles Teil aber irgendwie wollte ich den Sampler. Da Dieser nun endlich verfügbar war aber dreisterweise 450 Euro teuer ist, wartete ich erstmal ab.
Als vor kurzem die “neuen” Tribes in Blau und Pink Metallic vorgestellt wurden erwähnete Jemand das nun für die “Alten” zum Abverkauf eine Preissenkung anstünde. Häää !! Electribe und Preissenkung ! Kann nicht sein…davon abgesehen sind die Alten/Neuen baugleich und mir gefallen die Originalfarben besser weil dezenter.
Dann sah ich nochmal auf der MUSICSTORE Webseite nach und war ganz erstaunt das der Sampler für 379 Euro dort stand. Auf zum Atom – ähh MUSICSTORE.
Electribe vs. Sampler
Stundenlang testet ich abwechselnd Electribe gegen Sampler mit meinem mitgebrachten InEar Kopfhörer (besser als der Landenramsch). Es ist schon traurig das Korg nicht EIN Gerät baut das alles kann. Die Electribe hat wirklich klasse “Analoge” Oszillatoren, die sich mittels Edit Regler faszinierend multiplizieren/unsynchron machen lassen. Das klingt krass und es sind deutlich mehr davon in der Electribe als im Sampler (einer der Hauptunterschiede – und ein rein Software technischer obendrein). Und das geht mit dem Edit Regler bei quasi allen Oszillatoren, auch bei den nicht analogen. Beim Sampler geht das nur bei den Analogen Oszillatoren. Bei den normalen Samples dient der Edit Regler leider nur zum vorwärts/rückwärts abspielen der Samples, nett aber wenig Wow.
Auch hat die Electribe mehrere Filtervariationen (zweiter Hauptunterschied), die man durchaus heraushört. Und ich mag auch Geräte die starre Sounds nach dem friss oder stirb Prinzip haben. Dann zermartert man sich nicht ständig die Gehörgänge ob nicht ein anderer Sound doch besser wäre.
Die Electribe hat mich durchaus länger an sich binden können dank ihrer faszinierend verformbaren Oszillatoren.
Dennoch, unendliche Möglichkeiten dank beliebig austauschbarer Samples sind auch ganz nett und der MUSICSTORE schließt bald, gekauft. Und da ich aus Erfahrung klug geworden bin, testete ich noch auf dem Couch bei der Ausgabetheke alle PADs, Drehregler und Taster durch, scheint OK.
Hardware
Man kann sagen was man will die Electribes sehen einfach faszinierend gut aus. Das Druckgußgehäuse liegt fest wie ein Ziegelstein mit Gummifüßen auf dem Tisch, da rappelt und wackelt nix, so muß das sein. Die Drehregler sehen zwar edel aus könnten allerdings griffiger sein. Zudem ist die obere Anfaßkante zu scharfkantig, aber wer schön sein will muß halt leiden.
Bei meiner ersten Electribe war ein PAD dabei das man einfach nur als schwergängig bezeichnen konnte, irgendwie reaktions unfreudig. Es ließ sich auf der hinteren Kante auch nicht wie die Anderen herunterdrücken. Das alleine war schon Grund genug für die Retour. Außerdem ließ sich die MFX Send Taste nur schwergängig betätigen. Aufgefallen war mir auch das die PADs ganz links (1 + 2, 9 + 10) schwerer betätigen ließen als der Rest. Es schien sogar das die Betätigungskraft von links nach rechts stetig nachließ. Ich vermute das dies so gewollt ist, da links eher die Kickdrum/Snare liegt und man dort öfters drauf herum hämmert wie auf die restlichen PADs.
Was soll ich sagen, bei der Sampler ein ähnliches Bild, allerdings habe ich hier kein PAD welches auffällig aus der Reihe tanzt. Man muß aber allgemein sagen das die Betätigungskräfte der PADs nicht ganz einheitlich sind. Nicht so gut, weil dadurch kein super perfektes Spielgefühl aufkommt. Lieben tue ich die Pads allerdings für ihr entfernt Klavier ähnliches verhalten. Ich hämmere nicht mittig sondern auf die vordere Kante der PADs, welche dadurch minimal eintauchen, hat was. Meines Wissens ein Verhalten das kein anderes PAD bestücktes Gerät hat. Diese starren PADs bei den MPCs – da kommt dieses Feeling nicht auf.
Zusätzlich fiel mir ja neulich bei der Electribe noch auf das die PADs der oberen Reihe (1 bis 8) hinten bis zum Gehäuse abgesenkt sind (ist gewollt). Bei der Sampler ist das quasi auch so, mit dem deutlich sichtbaren Unterschied das die PADs 1 bis 8 nun immer noch einen Millimeter über das Gehäuse ragen. Die Spielbarkeit der PADs geht auf jeden Fall OK.
Das Touchpad ist auch so eine Sache, bei meiner ersten Electribe war die Oberflächenspannung OK, berührt man das Touchpad am oberen Rand entstand eine minimale Lücke zwischen Touchpad und Gehäuse, sah nicht ganz so gut aus, tat der Funktion aber keinen Abbruch.
Jetzt bei der Sampler eine ganz andere Gegebenheit. Schon beim ersten berühren merkte ich das die Oberflächenspannung gar nicht so toll ist. Drücke ich an einer Stelle leicht entsteht an anderer Stelle eine kleine Welle, das Touchpad ist also nicht straff genug. Tut der Funktion aber wieder keinen Abbruch (bei einem weiteren Ladenbesuch stelle ich fest, auch deren Sampler Touchpad wellt beim berühren leicht auf).
Nervereien
Ich kaufte den Sampler wohlwissend das die Electribes nicht gerade einen guten Workflow haben. Falsch, die Electribes haben sehr wohl einen klasse Workflow. Leider gibt es aber keinerlei Projekt Verwaltungs Funktionen. Hier nun was mir bisher negativ auffiel (Firmware 2.02)
- kein Transpose eines PARTs (dafür kann man allerdings den Pitch Drehregler verwenden)
- mal eben das Sample bearbeiten mit dem ich gerade arbeite – leider beginnt SAMPLE EDIT immer irgendwo in der Liste nicht aber beim gerade verwendeten Sample
- wenn es doch nur DEN einen Home-Ordner auf SD-Karte gibt, warum ist man nicht automatisch erst einmal in Diesem
- keinerlei Datei/Ordnerfunktionen ausführbar (Ordner erstellen/Dateien löschen ect.) beim Yamaha moX geht das alles
- editieren der Patternnamen ist der absolute Krampf – keine schnelle Zeichenlöschung, kein schnelles durchblättern der Zeichen mit SHIFT – man dreht buchstäblich am Rad
- warum kann man SLICEs nicht als Einzelsamples speichern
- kein Mikrophon-Eingang nur Line In
- keinerlei Projektverwaltung (eine SD-Karte pro Projekt ?!)
- SAMPLE EDIT funktioniert nach Gehör klasse, WAVE Ansicht wäre jedoch dank Matrixdisplay möglich und wünschenswert
- Samples kann man keine Kategorien zuweisen (alle eigenen Samples sind der Kategorie USER zugewiesen) daraus folgt…
- …keine SHIFT Sprünge in der Kategorie USER (Platz 501 bis 999) möglich, da es dort nur EINE Kategorie gibt (eben USER) – nervig da evtl. hunderte Samples durchgedreht werden wollen (kostet Zeit und der Regler nutzt viel mehr ab)
- Dateinamen auf SD-Karte werden über 12 Zeichen nicht mehr dargestellt (Autoscroll wäre echt krass) – gezieltes Sample laden ist so kaum mehr möglich
- ein Sample Vorhören beim Browsen auf SD-Karte (Import Sample) müsste echt möglich sein (so muß man blind ein Sample laden, es einem PAD zuweisen und darf es dann endlich hören)
- Dateiliste der SD-Karte steht nicht an letzter Position sondern immer wieder am Anfang – schön wenn man noch weiß wo man zuletzt war (und wieder dreht man am Rad)
- löscht man Samples funktionieren evtl. Pattern’s nicht mehr wie gedacht (gefährlich da es beim plazieren des ladenden Samples keine Anzeige gibt ob ein vorhandenen Sample evtl. irgendwo in Verwendung ist)
- kein SONG Modus um Lieder originalgetreu nachzuvollziehen
- punktgenaue Mono Samples lassen sich räumlich kaum verbreitern da kein Reverb als Insert Fx vorhanden ist und der Chorus den Klang nicht flächiger macht.
- selbst in der Anleitung steht nicht was Mono 1, Mono 2, Poly 1, Poly 2 ist, es wird nicht erklärt
- keine neue Anleitung zur Firmware 2.02 in der neue Funktionen mit drin stehen
Nervigkeiten im Detail
Transpose (kein)
Es gibt keine Möglichkeit mal eben einen PART zu transponieren, es müßte im STEP EDITOR jede einzelne Note bearbeitet werden oder der Pitch automatisiert werden.
Projektverwaltung (keine)
Ersteinmal KORG !! Ist es wirklich so schwer eine Philosophie der Hardware vorzustellen. Mir ist es zuwider mich in ein Gerät oder die Gedanken von Programmierern hineindenken zu müssen um daraus laaaangsam meine Schlüsse zu ziehen wie die Maschine arbeitet (leider finde ich auch nach 3 Wochen keine erkennbare Hersteller Strategie zur Projektverwaltung – weil es absolut keine gibt).
Ich kaufe mir also eine 32 GB SD-Karte nur um dann feststellen zu müssen das man offiziell für jedes Projekt einen eigene SD-Karte verwenden soll !!!!!!!!!
Ja wo leben wir denn !!?? Haben wir 2016, genug Speicher und sowieso !
Grundgedanke meinerseits war ich nehme Originallieder und erschaffe mir für Diese Drumtrack’s um mit weiteren Synthesizern den Rest dazu geben zu können. Das kann man gleich vergessen weil es keinen Songmodus gibt. Es ist aber scheinbar nicht einmal möglich zu sagen “speichere mir bitte alles was in der Kiste ist hier und dort ab” damit ich es später auf Knopfdruck wieder hervorzaubern kann denn ….
die Electribe kennt nur EINE alle Sample’s enthaltende Datei und EINE alle Pattern’s enthaltende Datei.
Eie Electribe speichert auf der SD-Karte alles im Ordner KORG/Electribe Sampler/
Tätigt man einen “EXPORT ALL SAMPLES” werden Diese immer in der Datei KORG/Electribe Sampler/Sampler/e2sSample.all gespeichert. Und wie schon erwähnt hat die Tribe keine Datei-Funktionen. Auch nicht schlimm am PC kann man das File ja kopieren und die Kopie umbenennen, die Tribe erzeugt beim nächsten jedem EXPORT ALL SAMPLES wieder einen Neue Datei “e2sSample.all”.
Das waren aber nur die Samples, die PATTERNs werden unter KORG/Electribe Sampler/electribe_sampler_allpattern.e2sallpat gespeichert und haben keinen direkten Bezug zu den gespeicherten Samples. Man muß also selber die Übersicht behalten was richtig schwierig ist.
Um nun Ordnung ins Chaos zu bringen kopiere ich am PC die *.e2sallpat und die e2sSample.all in einen neu erzeugten Ordner mit passendem Namen zum Projekt.
Zum Glück kann man mit der Funktion “IMPORT SAMPLE” nicht nur (wie der Name vermuten läßt) EIN Sample laden sonder gleich auch eine e2sSample.all (Name vor .all kann auch beliebig sein), also ALLE Samples. Danach macht man noch einen “IMPORT ALL PATTERN” und hat eine Konsistenz, grundsätzlich ja, wirklich nein.
Denn die Maschine sagt z.B. beim IMPORT eines einzelnen Samples nicht ob das evtl. vorhandene Sample am Zielspeicherplatz in einem PATTERN in Verwendung ist. Da muß man schon verdammt scharf nachdenken will man das noch überblicken.
Philosophie
Die Electribe’s laden wenn keine SD-Karte steckt aus Ihrem Flash (ROM) die ursprünglichen Sounds (gehen also nie verloren) und Patterns. Steckt eine SD-Karte werden die Samples von der KORG/Electribe Sampler/Sampler/e2sSample.all und die Patterns von der KORG/Electribe Sampler/electribe_sampler_allpattern.e2sallpat geladen. Genau in diese Files (und NUR Diese) speichert die Electribe immer Ihre Samples/Patterns beim EXPORT.
Sampeln – Sampelzeit – Speicherplatz
Finde ich auch interessant. Das Sampeln macht viel Spaß, Line In Audioquelle dran, SHIFT + REC drücken, Mono oder Stereo Aufnahme wählen, Input Level justieren, los gehts. Was habe ich die CLIP-Anzeige gesucht bis ich raffte das der Text Clip im Aussteuerbälkchen erscheint – nicht so schön gemacht – funktioniert aber.
Stereo Samples belegen nicht nur den doppelten Speicherplatz sondern leider auch ganze ZWEI PAD’s – was soll das denn !?! Die totale Verschwendung wie ich finde. Immerhin erhält man durch Stereo Samples die volle Räumlichkeit der Klangquelle.
Das schneiden (chop) der Samples geht sehr schnell vonstatten, trotz das Korg keine graphische WAVE Darstellung bietet (was ein leichtes wäre). Durch ständiges betätigen der PADs kann man sehr genau hören ob die START Position stimmt. Die ENDE Position ist noch einfacher herauszuhören. Das flutscht also erstaunlich gut.
Nun hat man einiges gesampelt, der Speicher ist voll (24MB) aber ich habe doch so einiges abgeschnitten. Und diese abgeschnittenen Daten liegen noch voll im Electribe Speicher denn es könnte ja sein das man doch noch am Sample justieren muß – soweit korrekt.
Warum aber Korg gibt es keine Aufräum Funktion die, wenn gewünscht, diese Reste löscht um Speicher frei zu schaufeln ? NEIN, man muß erst die Samples mit “EXPORT ALL SAMPLES” exportieren (geht schnell). DABEI werden die weggeschnittenen Teile wirklich verworfen und nicht mit auf die SD-Karte geschrieben. Beim Neustart oder durch laden der e2sSample.all (IMPORT SAMPLE) werden dann nur noch die Nutzdaten geladen. Es sind dann deutlich mehr Sample-Sekunden frei (SHIFT + REC dann ein paar mal Rechtspfeil).
Eingabe von Buchstaben/Zahlen
Es sollte bei einer Firmware vor der 2.02 eine Funktion SHIFT + < gegeben haben, die einen Buchstaben löscht. Aktuell ist diese Tastenkombination die UNDO-Funktion, deswegen funktioniert das leider nicht mehr. Sehr Schade, so dreht man sich einen Wolf um Buchstaben zu löschen. Außerdem machen die Zeichen keine Sprünge hält man SHIFT gedrückt. Sehr schlecht gemacht Korg.
Nützliches
Die Shortcut’s mit SHIFT sind recht nützlich. Ich benutze z.B. oft SHIFT + PAD 12 (STEP EDIT), SHIFT + PAD 14 (Clear Sequence) oder SHIFT + PAD 5 (Scale).
Unverständlich
Unverständlich ist es das KORG keinerlei PC Editor für die Electribe anbietet. Zum Glück gibt es Diesen hier, der aber besser sein könnte.
Es fehlen Funktionen um ganze Sample-Blöcke zu verschieben/kategorisieren/löschen.
Reverb/Chorus
Auffällig ist z.B. das fehlen eines Insert Effekt Hall. Es gibt zwar Delay aber das sind immer Wiederhalle. So einen mickrigen Chorus habe ich auch n.n. gehört. Da kommt auf den Punkt etwas Chorus dabei, aber keinerlei räumliche Verbreiterung des Klangs, das ist beim Yamaha moX z.B. ganz anders eben besser. Der Raumeffekt als Master Fx ist zwar extrem stark, aber die Raumgröße ist nicht einstellbar. Nur Halle und Raum, aber was für ein Raum, da gibt es viele Variationen, es dürfte doch ein leichts sein das einstellbar zu machen. Under der Master Fx entbindet nicht von einem per PART zuschaltbaren Hall.
Und irgendwie vermisse ich eine Feinjustage der einzelnen Effekte.
Ergebnis nach 3 Wochen
Die Electribe’s sind grundsolide Grooveboxen, es macht viel Spaß aus einzelnen PART’s etwas herauszukitzeln. Ich arbeite z.B. sehr gerne mit PAN (statisch oder Motion) um den Raum besser auszunutzen und Instrumente besser hörbar zu machen (fehlt übrigens der Novation Circuit komplett = großer Nachteil). Dabei ist es sehr hilfreich das alles endlos in einer LOOP gespielt wird während man live schraubt. Klasse ist auch das man die BMP beliebig herunterschrauben kann um so MOTION-Sequenzen präziser eindrehen zu können.
Habe sehr schweren Herzens die Electribe Sampler wieder Retour gebracht. Und das alleine aus dem Grund das die Electribes keine Projektverwaltung bieten. Ich will an komplexen Gebilden arbeiten, das speichern und später wieder laden können. Da in der Sampler aber alles unabhängig verändert werden kann ist dann leider die Gedankenarbeit zu viel des Guten. Tauscht man nur ein Sample aus ohne zu beachten das das Vorhandene irgendwo in Verwendung ist zerstört man evtl. seine ganzen Arbeiten.






