Novation Circuit zurück gegeben, Korg Electribe 2 gekauft. Eigentlich wollte ich aber eine Korg Electribe 2 Sampler, die aber seit langem nicht zu bekommen ist.
Korg spricht immer von Oszillatoren in der Electribe 2, ich denke das sind alles nur Samples, die wenn man z.B. Sinus oder Triangle usw. auswählt nur geloopt werden. Die Circuit hat ja zwei echte VA Synthesizer (jeder 6fach polyphon) in sich.
Verarbeitung und Bedienelemente
Die Electribe ist, wie auch die Circuit, exzellent verarbeitet, wertig. Das Druckguss Gehäuse wiegt fett und verhindert jedwedes wackeln am Tisch. Da die Lackierung schön matt ist, sieht man keine Fingerabdrücke am Gehäuse.
Die Drehregler funktionieren alle schön sähmig und Die mit Rastfunktion präziese. Im Vergleich zur Circuit, die ja gummierte Drehregler hat, sind die Tribe Regler eher glatt und haben auch keine Riffelung. Trotzdem arbeitet man damit sehr gut.
Die Beschriftung in leichtem Beige auf Mittelgrau liest sich eher nicht so gut. Noch schlechter ist die Beschriftung der halbtransparenten Taster. Bei Tageslicht ist alles brauchbar. Im Dunkeln kann man die Beschriftung unbeleuchteter Taster nicht lesen.
Im Vergleich der Beschriftung/Beleuchtung der Bedienelemente mit der Circuit verliert die Electribe klar. Seit wievielen Jahr(zehnt)en gibt es nun RGB LED’s Korg. Warum hat die Tribe nur Rot/Blau und beides gemischt ? Außerdem könnte man doch per Firmware bestimmt alle Tasten minimal illuminieren.
Die 16 PAD’s funktionieren gut könnten aber feinfühliger sein. Manche scheinen sich leichter drücken zu lassen als Andere, insgesamt funktionieren aber alle gut. Die PAD’s werden übrigens heruntergedrückt was Spaß macht im Vergleich zu den statischen PAD’s der Circuit oder auch AKAI’s MPC’s. Man muß auch nicht mittig Hämmern, ich nehme immer die vordere Kante der Pads, das gibt so ein leichtes Klaviatur Feeling und nutzt die Mitten nicht ab.
Aber scheinbar habe ich immer Pech, EIN Pad läßt sich im hinteren Bereich gar nicht eindrücken und reagiert nur auf schwersten Druck. Das Gerät im MUSICSTORE funktioniert (mal wieder) erste Sahne. Dort lassen sich alle PAD’s butterweich betätigen und Keines weicht ab. Und eine der kleineren Tasten geht extrem viel schwerer wie die Anderen.
Klasse ist das scharfe monochrome Matrix Display. Aber rein von der Firmware her hätte man da mehr draus machen können. Teilweise ist man in einer Funktion und fragt sich was will das Teil jetzt von mir. Nach einer Weile weiß man aber was gefordert wird.
Klang und Effekte
Da hat die Circuit im ersten Moment keine Chance. Die einzelnen PART’s (Tracks/Spuren) lassen sich extrem vielfältig justieren und jeder Part kann einen eigenen Insert Effekt haben und noch zum Master Effekt gesendet werden. Leider lassen sich die Insert Effekte nicht detailliert einstellen. Filter hat die Tribe ja 16 Stück, aber so wirkliche Unterschiede ? Der Electribe 2 Sampler hat nur 3 Filter, müsste aber auch reichen. Von daher wäre der Kauf der Sampler schon wieder lohnenswerter gewesen.
Man kann die (nur) 4 Takte endlos abspielen lassen und verliert nicht die Lust am feinjustieren. Level einstellen, per Filter dämpfen oder hervorheben. Oder ganz wichtig das PANning. Damit kann man die Klänge wunderbar im Stereo Raum verteilen. Die Circuit hat übrigens keine PAN Funktion, was meiner Meinung nach ein großer Nachteil ist.
Workflow
Da lobe ich mir die Circuit. Die hat für grundlegende Funktionen Taster wie Duplicate, Clear, Tempo, Swing, Octave +/- usw. Noch dazu werden nur die Tasten die mit einer Funktion in Zusammenhang stehen illuminiert und das auch noch in der jeweils entsprechenden Farbe. Da hat die Electribe keine Chance und wirkt veraltet.
Schlimmer noch die Electribe hat bestimmte Möglichkeiten gar nicht. Hier mal eine Liste an Dingen die mir aufgefallen sind.
- ein Takt läßt sich nicht kopieren
- ein Takt läßt sich nicht separat löschen
- Löschen von Noten während der Wiedergabe durch gedrückthalten des PART-PAD’s nervt und ist, will man z.B. nur einen Takt löschen, unpräzise
- Löschen einer Sequenz per Menü geht schnell, löscht leider nur die Gesamtsequenz und ist zudem riskant *
- Sequenzer STEP Eingabe ist (außer bei DRUM’s) ziemlich sinnlos, da man keine Tonhöhen setzen kann nur Noten **
- STEP Edit – das ziehen von Noten (TIE) – warum kann man im Sequenzer nicht einfach den Start-STEP drücken/halten und dann den STEP drücken wo die Note enden soll um die Länge anzugeben ?
- STEP Edit – wählt man im Menü STEP Edit und betritt einen STEP nicht mit der > Taste löscht man evtl. ungewollt Noten wenn man eigentlich erwartet das der STEP ausgewählt wird
- Samples werden nicht gestretcht – hätte ich von einer 400 Euro Maschine echt nicht erwartet. Samples hören mit steigender Tonhöhe einfach früher auf – unprofessionell
- kein UNDO – eine kleine Katastrophe – wie schnell hat man sich mal vertan und keine Chance das rückgängig zu machen
- STEP Edit – nur Tonhöhe/Noten (bis zu 4 Noten per STEP)/Notenlänge/Anschlagsstärke lassen sich justieren, nicht aber PAN per STEP (Motion Sequencing nicht per STEP justierbar)
- wie oben erwähnt Takte nicht kopierbar, daher muß eine perfekte Motion Sequence quasi 4x glücken will man z.B. 4x das gleiche Panning haben und das muß in Echtzeit geschehen – schwierig
- keine explizite Pattern Kopier Funktion, man denkt zuerst was soll der Scheiß, dann aber OK mit SHIFT + Write evtl. Patternname ändern danach einfach einen Pattern Speicherplatz wählen, Pattern kopiert
- Pattern Namen Eingabe ist absolut bescheiden. Kein rundum Selektieren, keine schnelle SPACE Eingabe, keine Sprünge mit SHIFT
- EINE Pattern exportieren OK, dann Exit, Exit, Exit, die nächste Pattern wählen und exportieren = Krampf
- keine Ordner auf SD-Karte erstellbar
- bei einem Preis von 400 Euro ist nicht mal ein USB Kabel dabei welches sehr wichtig ist (MIDI Daten)
Nachtrag 16.7.2016
MUSICSTORE, zum ersten mal den Electribe Sampler lange getestet. Erstaunlicherweise komme ich direkt mit dem Teil klar, weil ich immer noch viel über die Electribe an sich weiß. Und ich muß sagen die Teile machen einfach Spaß. Dieses direkte anfassen der klasse Hardware und das Schrauben an den Sounds/Effekten/PAN usw. ist FUN. Einen Sound nach L oder R Pannen um Platz für weiteres zu schaffen oder einen Sound zu dämpfen um für Höhen platz zu machen, klasse. Und wie ich eben Jemanden bei YouTube sehe der doch eine Parametereingabe per STEP hinbekommt steigt die Stimmung. Dazu STEP JUMP festhalten, die STEP’s festhalten dann REC drücken. Nun spielen die STEP’s in einer LOOP und währenddessen kann man z.B. den Cutoff justieren, cool.
Bin echt scharf auf den Sampler, warte noch etwas bis auch der MUSICSTORE dessen Preis auf 400 Euro angepasst hat.
* ich lasse die Sequenz löschen Funktion bei einer Echtzeitaufnahme am Bildschirm stehen und brauche bei einem Fehlversuch dann nur noch ENTER drücken (keine Sicherheitsabfrage). Ist OK, leider ist es mir schon mehrmals passiert, das die Aufnahme OK war und ich trotzdem ENTER betätigte und alles ist war.
** bei der Circuit ideal, man sieht sowohl die Sequenz und gleichzeitig hat man ein Keyboard


