So, nach langem Überlegen doch einen ROLAND JD-08 im Bundle mit einer K-25m Tastatur bestellt.
Beim Anspielen im Laden hat mich der Klang fasziniert. Auch das Design, die vielen Fader(chen), Tasten und Drehregler sind einfach total klasse. Hinzu kommt, das endlich mal nicht an der Polyphonie gespart wurde. 128 fache Polyphonie / 4 Tones = satte 32 Stimmen. Das ist auch nötig, hat man Patches die evtl. länger ausklingen. Und man benutzt ja bei weiten nicht immer alle 4 Tones.
Klasse fand ich auch jeden der 4 Tones einzeln oder mehrere gemischt hören zu können. Dazu kommt noch, das man mit der ACTIVE Taste Tones quasi scharf stellen kann. Heißt jede Justage an was auch immer gilt für alle aktiven Tones. Praktisch um alle Tones erstmal gleichzuschalten.
Schlimm wird es evtl. wenn man dann Tones einzeln justiert da die Envelope-Fader die Funktion für Pitch/Filter/Amp teilen. Denn leider hat der JD-08 keine Fader-Pickup Funktion . Bei vielen Synth kann man an einem Symbol im Display sehen, wo der letzte Wert stand. Es würde schon ein Digit-Punkt reichen.
Heißt im extrem Fall, hat man z.B. eine Amp Envelope mühevoll eingestellt, feilt danach an einer Pitch/Filter-Kurve und dann zurück in die Amp-Kurve. Nur sind jetzt die Fader alle komplett verstellt.
Nun fängt nämlich eine Fader-Positions-Suche nach Gehör an.
Der JD-08 ist eingetroffen
2 Tage später ist mein JD-08 eingetroffen. Erstmal alle Fader, Knöpfe und Drehregler geprüft. War alles OK.
Und endlich Jahre nachdem ich meinen JX-03 schon habe besitze ich auch mal eine K-25m Tastatur, die einfach klasse ist. Sehr leichtfüßig spielbar und vor allem alle Tasten gleich Gewichtet. Hatte mich jahrelang gegen den Preis gesträubt (100€ +). Dieses mal aber im Bundle für 80€ bekommen 🙂
Dann erstmal einen Tag stehen lassen (natürlich nicht offen sondern im Karton).

Erstes Anspielen
Einfach der Hammer wie das klingt und sich die K-25m spielen läßt. Ich aktiviere alle 4 Tones und spiele am Cutoff, der Amp-Hüllkurve, der Resonanz usw. herum, es macht einfach tierisch Spaß.
Und wie gesagt, jeder Tone läßt sich einzeln bis auf’s Haar justieren. Eigene Amp/Filter/Pitch Envelopes. Und auch die beiden LFO’s sind per Tone. Also 8 LFO’s insgesamt wenn man will.
Deswegen habe ich das Gerät auch gekauft, es hat zwar nur diese 108 Waveforms als Oszillatoren, aber unendlich viele Beeinflussungs-Möglichkeiten. Ach und Effekte gibt es auch noch. Leider müssen alle 4 Tones durch die Effekte. Tones können die Effekte nicht einzeln umgehen. Das ist schade.
Zudem hat der JD-08 auch rudimentäre Waveforms wie Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Sinus. Zwar nicht in der reinen klaren Urform, aber gerade das erzeugt Charakter.
Philosophie
Wie ich es hasse, wenn eine Bedienungsanleitung einfach wild drauf los kalt Funktionen beschreibt ohne vorher mal zu erklären was man hier eigentlich vor sich hat. Ich versuche es mal.
Der JD-08 hat 108 Waveforms. Scheint aus heutiger Sicht wenig aber durch die extreme Vielfalt an Manipulations-Möglichkeiten eine endlose Spielwiese.
Der JD-08 hat immer 2 sogenannte PART’s geladen. Also zwei vollkommen unabhängige Patche’s. Muß einen nicht kümmern. Man kann sich voll auf PART A oder B fixieren.
PART’s werden am schnellsten mit der Taste NOTE + Tone A/B umgeschaltet.
Ein PART besteht aus bis zu 4 Tones (A/B/C/D) denen auch die Palette-Fader zugeordnet sind (dazu unten mehr).
Jeder dieser 4 Tones ist eigentlich ein kompletter eigener Synthesizer. Eigene Waveform, Amp/Pitch/Filter-Hüllkurven, 2 LFO’s. Nur durch die Effekt-Kette müssen alle 4 Tones.
Am genialsten finde ich das Menüsystem. Endlich hat mal einer mit gedacht. Drückt man z.B. die Common oder Effects-Taste leuchten unten die Sequenzer-Tasten zur Auswahl von Untermenüs auf. Drückt man Eine, erscheint der Menü-Punkt in meistens verständlichen Kürzeln. Auch fängt die gedrückte Taste an zu blinken, drückt man Sie noch einmal betritt man die angezeigte Funktion. Diese kann dann wieder Unterfunktionen haben die mit einer neuen Tasten-Reihe ausstaffiert ist. Rückwärts geht es dann Stufenweise mit der EXIT-Taste.
Heißt, man kann sich mit den Tasten sehr schnell in Funktionen einwählen. Werte werden dann mit dem Value-Drehregler justiert. Das belastet diesen Drehregler enorm. Leider gibt es keine SHIFT-Taste um 10er Wertesprünge zu machen.
Belegt sind 85 Speicherplätze (von 256) mit Werks-Patches. Freie Speicherplätze gibt es ab B36 bis D88 also 171 Stück.
Die geheimnisvollen Palette-Fader
Ich wußte natürlich schon wofür die Palette-Fader sind. Jeder ist ausschließlich für EINEN Tone (A/B/C/D) zuständig.
Interessant ist, das wählt man einen Patch, stehen alle 4 Fader für die Lautstärke eines Tone. Ist ja schon mal nützlich.
Wie oben schon erwähnt, schaltet man alle 4 Tones aktiv und fummelt z.B. am Cutoff haben alle 4 Palette-Fader die Cutoff-Funktion des jeweiligen Tones. Die Palette-Fader sind deutlich länger und vereinfachen so Fein-Justagen (und entlasten die anderen Fader).
Will man später z.B. mal die Lautstärke aller Tones nachstellen, einfach alle 4 Tones aktivieren und im Amp-Bereich (TVA) den Level-Fader kurz berühren. Schon sind alle 4 PF die Level-Regler der Tones.
Schaltet man nur vereinzelte Tones an übernehmen nur deren PF eine Funktion. Übrigens können die PF alle Fader/Drehregler/Tasten übernehmen.
Nach kurzer Zeit fällt mir auf, das wenige Fader minimal aufmüpfig sind. Es sind einige Fader die einen NULL-Rastpunkt haben. Bewegt man sie vom Rastpunkt weg kommt teilweise nochmal eine zähe-Stelle, danach geht es leichter. Da das aber 2 Fader haben wird das normal sein, spielt sich vielleicht noch ein.
Mir fällt auch noch auf, das die Fader-Kappen alle etwas Spiel haben, scheint aber auch normal.
Die ROLAND Bedienungsanleitung
Ich will sie ja nicht in Gänze verteufeln, aber leicht verständlich ist was ganz anderes. Und wirkt steril und kalt.
Beispiel 1 :
Sets the parameters for each tone.
The last parameters you operated are assigned to the PALETTE
([TONE A]–[TONE D] sliders).
Da stehen 2 Sätze über die Palette-Fader, das reicht nicht aus. Wo steht hier was davon das die Tones aktiv sein müssen ?
Beispiel 2 :
Irgendwann will man auch mal einen Patch speichern.
Ein Patch liegt in einer Group A bis D, dort in einer Bank 1 bis 8 und ist dort der Patch 1 bis 8 !!
Die Bedienungsanleitung sagt :
Press the BANK [1]–[8] buttons to select the group and bank where you want to save the data.
Long-press one of the NUMBER [1]–[8] buttons to select the patch number you wish to save to.
The display blinks several times. The tone is saved in the patch number you selected.
Das war’s !! Kein Word darüber das man für die Gruppe A bis D die BANK-Tasten mehrfach drücken muß !!
In Wirklichkeit ist es natürlich viel komplizierter. Denn wie wähle ich denn Group A bis D und Bank 1 bis 8 aus.
Die NOTE-Funktion muß natürlich aus sein (NOTE Taste LED=aus). Im Übrigen, spiegeln die Sequenzer-Tasten nicht das gewollte wieder ist man vermutlich im NOTE-Modus. Einfach NOTE drücken (LED=aus), dann sieht es besser aus.
Nun kann man mit den Tasten 1-8 die Bank wählen aber AUCH durch Mehrfach-Druck die Gruppen A-D umschalten.
Danach dann eine Patch-Taste 1-8 (die Beschriftung BANK/NUMBER darüber ist mir nach einer Woche zum ersten mal aufgefallen) drücken UND halten, bis die Patch-Nummer im Display blinkt, loslassen, fertig gespeichert.
Ganz einfach, es müsste einem nur beschrieben werden.
Beispiel 3 :
Die Taste MANUAL selber wird nirgends auch nur erwähnt. Abgeleitet von der Anleitung meines JX-03 steht in dessen Anleitung :
MANUAL : Ruft die aktuellen Einstellungen der Bedienregler ab und stellt den Sound entsprechend ein.
Und so ist es auch, einmal MANUAL gedrückt blinkt EXIT und MANUAL. EXIT verlässt den Modus, MANUAL bestätigt nun das Ablesen aller Bedien-Elemente und das komplette Ersetzen des aktuellen Patch.
Effekte
Part A + B sind zwei vollkommen unabhängige Patches mit je 4 Tones. Die Parts schaltet man mit Taste NOTE + Tone A/B am schnellsten um.
Weil die Bedienungsanleitung sich hier auch wieder ausschweigt, kriege ich nach einiger Recherche folgendes raus.
Effekte A + B sind beim Part A alle vorhanden – Part B hat nur die Effekte A
Alle 4 Tones eines Part gehen durch die gesamte Effekt-Kette.
Die Effekt-Reihenfolge lässt sich umschalten.
PAN gibt es leider nur für die beiden PART’s als Ganzes nicht für einzelne Tones. Ist aber nicht wirklich tragisch.
Menü Utilities
P.Clr Pattern Clear
T.Clr Initialisiert selektierte Tones
!! Hat bei meinen Tests immer alle 4 Tones zurückgesetzt (auch nicht aktivierte) !!
L.Clr Initialisiert Layer der aktivierten Tone’s
Hat bei meinen Tests nur aktivierte Tones zurückgesetzt.
F.Crl Initialisiert die Effekte eines aktivierter Tones
Ja, klappt wunderbar, danach sind alle Effekte abgeschaltet. Kurios ist das sich die Effekte A wunderbar aktivieren lassen und direkt hörbar sind, die Effekte B aber nicht hörbar werden.
Lädt man einen Init-Patch (ab B36) funktionieren A + B Effekte.
Es scheint auch keinen Software-Schalter zu geben um die B-Effekte zu aktivieren. Ich meine die A-Effekte funktionieren ja auch direkt – da komme ich noch nicht ganz mit.
Verwirrung Layer/Tone
Nochmal “kurz” zum Thema ROLAND und Verwirrung stiften im Handbuch. Einmal reden die von Tones A bis D dann wieder von Layers. Für beides gibt es ja auch Tasten am Gerät.
Hier ein original Auszug :

Was mich hier extrem verwirrt sind die beiden Funktionen T.Clr und L.Clr – wo bitte ist der Unterschied zwischen Tone und Layer ?! Für mich ist beides das selbe. Denn woanders steht wiederum :

Warum benutzt ROLAND 2 Begriffe für exakt das Selbe ???!
Jetzt nochmal zum Thema das mich im Utilities-Menü so aufbringt. Es steht geschrieben :
L.Clr Initializes the Layer of the selected Tone
T.Clr Initializes the selected Tone
Habe es gerade nochmal getestet L.Clr setzt nur aktive (selected) Tones zurück während T.Clr alle 4 Tones zurücksetzt (auch nicht selektierte).
Also ich würde erwarten, das gerade mit T.Clr aktive Tones (und nur Diese) initialisiert würden.
Wie soll man sich das jetzt merken wenn doch Layer/Tones quasi das selbe sind. Um die Verwirrung perfekt zu machen gibt es als erste Funktion noch P.Clr das man intuitiv als PATCH Clear übersetzen würde. Aber nein das steht für PATTERN Clear. Was hat nun wieder eine Pattern-Funktion in den Patch-Utilities zu suchen ? Das erwarte ich dann im Sequenzer-Menü !!
Davon Abgesehen wäre doch eine PATCH Clear Funktion exakt das was an der Stelle benötigt würde.
Sequenzer
Wollte ich ja eigentlich nicht benutzen, aber man muß es ja mal probiert haben. Und der kann ja auch nützlich sein. Man kann nämlich eine Sequenz laufen lassen und den Sequenzer einfach wieder verlassen (Common + Effects), die Sequenz läuft weiter. Nun kann man ganz normal an den Tones rumbasteln/ und den Patch speichern.
Bastelt man während der Sequenzer läuft am Patch muß dieser als Patch selber gespeichert werden. Er wird nicht automatisch mit der Pattern gespeichert. Habe es gerade mit Ausschalten den JX-03 probiert.
Wie ich später feststelle ist eine Sequenzer-Pattern an die gewählten Patches gebunden. Während der Sequenzer läuft kann man die Patche’s wild hin und her Switchen. Die bis zu zwei Patches (PART A/B) werden quasi in einer gespeicherten Pattern verlinkt.
PART A/B Tausch im Sequenzer wegen Effekten
Was ist aber wenn einem plötzlich auffällt das ein PATCH auf PART B doch die Effekte des PART A benötigen würde ?
Einfach im Sequenzer den PART A/B auswählen (NOTE + Tone A/Tone B), den Sequenzer verlassen mit (Common + Effects), man sieht den Patch-Speicherplatz. Dann einfach den jeweils anderen Patch wählen. Dann sind die PART A/B Patches schon mal getauscht. Natürlich wandern die jeweiligen Sequenzen selber nicht mit.
GRÜBEL ???
Die vermisste SHIFT-Taste und die START-Taste
Interessant, auf Seite 24 des Referenz-Handbuch’s wird exakt EINMAL eine SHIFT-Taste genannt. Ich vermute hier einen Verschreiber. Das steht in einer MEMO-Bemerkung wo viel von der START-Taste geschrieben wird.
Kann es sein, das die START-Taste quasi auch die SHIFT-Taste ist ?
Denn die START-Taste hat ziemlich viele Unterfunktionen im Sequenzer :
START + Nummer <1-8 Seqenzer Pattern – BANK
START + Nummer >1-8 Seqenzer Pattern – Pattern
Exit + START START-Taste dauer EIN [SHIFT-Lock ?] wodurch Sie nicht mehr gehalten werden muß um BANK/Pattern zu wählen
NOTE + START Live RECORDING
START + Tone A/B Mute PART A/B
STEP 1-16 + Value Drücken Einstellung Velocity und bei weiterem Druck auf Value der Dauer jeder STEP-Note
Leider gibt es KEINE Taste, mit der der geknechtete VALUE-Knopf Parameter-Sprünge machen kann. So hält der bestimmt nicht lange durch. Man muß sehr häufig extrem weite Zahlenbereiche durch-drehen.
Ich habe schon verschiedene Tasten-Komi probiert, nix.